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Kurpfälzer Meile der Innovationen

Näherungsschalter 1958

Walter Pepperl, Ludwig Fuchs, Wilfried Gehl

Walter Pepperl, Ludwig Fuchs, Wilfried Gehl

Ludwig Fuchs wird am 21. Juli 1920 in Freising geboren. Nach dem zweiten Weltkrieg kehrt er als Oberleutnant zu seiner Frau Amalie, geborene Sponagel, nach Freising zurück und arbeitet als Bankkaufmann bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank.

Der am 5. Mai 1921 in Karlsbad geborene Walter Pepperl ist Radiotechniker und wird daher während des Krieges als Fernmelder eingesetzt. Auch er zieht nach dem Krieg nach Freising, wo seine Frau Anny wohnt und findet Arbeit in der Reparaturabteilung des Radiogeschäfts Lacher.

Durch Anny lernen sich die beiden Männer kennen. In der Zeit des beginnenden Wirtschaftswunders fassen sie schon bald den Entschluss, sich selbstständig zu machen. Die beiden Familien ziehen nach Mannheim-Sandhofen um, und am 14. November 1945 gründen Walter Pepperl und Ludwig Fuchs dort in der Sonnenstraße 32, der Wohnung von Amalies Eltern, eine Reparaturwerkstatt für Rundfunkgeräte.

Wenn in der Nachkriegszeit Radiogeräte nicht mehr funktionieren, so liegt es häufig an defekten Netztransformatoren, deren isolierende Papierlagen zwischen den Wicklungen oft feucht werden, was zu Kurzschlüssen führt. Neue Transformatoren sind zwar Mangelware, aber Kupferdraht ist auf dem Markt zu bekommen. Der Rundfunktechniker Pepperl beschließt daher, Ersatz-Transformatoren selbst herzustellen und baut sich dazu aus gebrauchten Teilen eine Wickelmaschine. Einen Fahrrad-Tachometer funktioniert er zum Windungszähler um, und von einem alten Telefonapparat verwendet er den Kurbelantrieb.

Das Geschäft läuft so gut, dass bald in Mannheim-Sandhofen „Am Stich" ein Ladengeschäft eröffnet werden kann, wo vor allem Radios, aber auch Plattenspieler, Schallplatten, Staubsauger, Waffeleisen und Glühbirnen verkauft werden; sogar ein Tefifon genanntes erstes Tonbandgerät mit sogenannten Schallbändern kann man kaufen. Insbesondere die Herstellung der Transformatoren ist so erfolgreich, dass die ersten "richtigen" Wickelmaschinen gekauft und in einem Nebenraum die Produktion aufgenommen werden kann. Schon bald beliefert Pepperl+Fuchs die Mannheimer Industrieunternehmen mit seinen Transformatoren.

Nach der Umstellung der Netzspannung von bislang 110 V auf 220 V, stellt Pepperl+Fuchs für die Stromversorgung im Raum Ludwigshafen ab 1950 Vorschaltgeräte zur Umwandlung der Netzspannung her. Damit können ältere Geräte auch mit der neuen Netzspannung weiter betrieben werden. Für die Industrie baut Pepperl+Fuchs Steuertransformatoren. 1954 wird die erste Transformatoren-Wicklerin eingestellt und 1955 zieht die Firma in die Sandhofer Straße, wo 1957 ein Neubau bezogen werden kann

Als die Firma BASF, ein wichtiger Kunde von Pepperl+Fuchs, einen Magnetverstärker benötigt, der auch in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden kann, entwickelt der Diplomingenieur Wilfried Gehl im Jahre 1957 dafür den "Transduktor". Inzwischen sind die Magnetverstärker oder Transduktoren längst durch die Halbleitertechnik verdrängt worden.

Wilfried Gehl wird am 14. April 1929 als Sohn eines Lehrers in Hermeskeil im Hunsrück geboren. Er wächst zusammen mit zwei älteren Brüdern und einer jüngeren Schwester in Großlittgen in der Eifel auf und besucht in Wittlich das Gymnasium. Der Vater gerät für viele Jahre in englische Kriegsgefangenschaft. Die Mutter muss alleine für die Familie sorgen, und auch die Kinder müssen in dieser entbehrungsreichen Zeit mithelfen. Nach dem Abitur studiert Wilfried Gehl an der Technischen Hochschule Aachen Elektrotechnik mit Schwerpunkt Hochfrequenztechnik. Noch als Student heiratet er seine Frau Gisela.

1956 stellt BBC in Mannheim-Käfertal den frisch diplomierten Ingenieur ein. Er zieht mit seiner jungen Familie nach Mannheim um und findet in einem der Firma Pepperl+Fuchs gehörenden Mehrfamilienhaus in Mannheim-Sandhofen eine geräumige Wohnung.

Auf diese Weise lernt er Ludwig Fuchs und Walter Pepperl kennen, die schnell die besondere Begabung des jungen Diplomingenieurs erkennen. Bereits 1957 beginnt mit der Entwicklung des Transduktors für die BASF die überaus fruchtbare Zusammenarbeit, die erst mit dem Ruhestand von Wilfried Gehl enden wird.

Die nach dem zweiten Weltkrieg rasch fortschreitende Automatisierung technischer Prozesse erforderte neuartige Schalter zur Steuerung der Anlagen. Mechanisch betätigte elektrische Kontakte waren wegen der hohen Ströme und der damit verbundenen Funken besonders in explosionsgefährdeten Bereichen der chemischen Industrie nicht genügend sicher.

Daher beauftragt die BASF Walter Pepperl und Wilfried Gehl diese Schaltkontakte durch ein robustes, dennoch aber kleines Bauteil zu ersetzen, das auch in der aggressiven Atmosphäre der Chemiefabrik bei nur kleinen Schaltströmen zuverlässig und vor allem sicher arbeitet.

Die beiden Rundfunktechniker sind mit den Eigenschaften elektrischer Schwingkreise bestens vertraut und finden die Lösung. Wenn sich einem geeignet aufgebauten Schwingkreis ein metallisches Objekt nähert, wird ihm Energie entzogen, weil in dem sich annähernden Objekt Ströme induziert werden, die Energie verbrauchen. Dadurch wird der Strom im Schwingkreis umso geringer, je stärker sich das Objekt annähert. Diese Veränderung lässt sich so auswerten, dass bei einem präzise einstellbaren Abstand über einen Magnetverstärker ein hoher Strom gefahrlos geschaltet werden kann. Auf diese Weise kann der induktive Sensor die Position metallischer Gegenstände in Maschinen berührungslos und damit verschleißfrei erfassen.

Nach diesem Prinzip entwickelt Gehl in kurzer Zeit den ersten induktiven Näherungsschalter mit der Bezeichnung "Induktiver Schlitzsensor SI 2,5", der über nur zwei Adern an das mit Halbleiter-Bauelementen bestückte Schaltgerät angeschlossen wird. Heute kann das Schaltgerät infolge der Miniaturisierung der Hableiterkomponenten direkt in das Gehäuse des Näherungsschalters integriert werden.

Damit ist das erste System für berührungsloses Schalten im explosionsgefährdeten Bereich geboren. Der "induktive Näherungsschalter" zählt zu den ältesten elektronischen Komponenten der Automatisierung.

Zunächst nutzen ihn nur die Chemieunternehmen. Aber schon nach kurzer Zeit wissen auch andere Branchen zu schätzen, dass der Näherungsschalter nicht nur preiswert, robust und langlebig, sondern auch zuverlässig und einfach anzuwenden ist.

In den folgenden Jahren entwickelt sich der Näherungsschalter weltweit zum Industriestandard für berührungsloses Schalten. Die große Nachfrage führt dazu, dass sich Pepperl+Fuchs in zunehmendem Maße auf elektronische Sensoren für die Prozessautomatisierung spezialisiert, für Verpackungs- und Abfüllanlagen ebenso wie für die Automobilindustrie, Chemieanlagen oder sogar Bohrinseln. Das Prinzip des induktiven Näherungsschalters ist dabei unverändert geblieben. Da er stets neuen Anwendungsbereichen angepasst wird, sei es für Verpackungsmaschinen, Wiege- oder Dosieranlagen, ist er auch 60 Jahre nach seiner Erfindung noch immer modern. Das mittelständische Familienunternehmen Pepperl+Fuchs ist heute eines der weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der industriellen Sensorik und Weltmarktführer im Bereich des eigensicheren Explosionsschutzes.

Im Jahre 1987 übergeben Fuchs und Pepperl die Geschäftsführung der nächsten Generation. Ludwig Fuchs stirbt am 15. Mai 1997; Walter Pepperl am 10. Dezember 2000. Wilfried Gehl bleibt nach dem Ausscheiden der beiden Firmengründer dem Unternehmen weiterhin als freier Mitarbeiter verbunden. Neben seiner Arbeit für Pepperl+Fuchs betreibt er in der Königsberger Allee 87, unmittelbar neben Pepperl+Fuchs, seine eigene kleine Firma, die „Gehl GmbH Elektronische Geräte“.

Seine Freizeit verbringt er gerne mit seinen vier Kindern auf dem Wochenendgrundstück in der Pfalz. In seiner Hobbyschreinerwerkstatt entwirft und baut er Möbelstücke, die noch heute von der Familie in Ehren gehalten werden. Wilfried Gehl stirbt am 12. Mai 2017 in Weinheim. Bei Pepperl+Fuchs erinnert man sich gerne an den stets gut gelaunten und freundlichen, loyalen und immer hilfsbereiten Wilfried Gehl.

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