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Kurpfälzer Meile der Innovationen

1924 Sicherungsautomat

Hugo Stotz (1869-1935)

1924 Sicherungsautomat

Hugo Stotz (14.07.1869 - 03.11.1935)

Hugo Stotz wird am 14. Juli 1869 in Stuttgart geboren. Er absolviert bei der Maschinenfabrik Esslingen eine Ausbildung als Elektrotechniker. Bei diesem ebenso traditionsreichen wie fortschrittlichen Unternehmen lernt er eine Anlage zur Demonstration der elektrischen Beleuchtung kennen. Diese neue Technik hatte Thomas Alva Edison 1881 in Paris auf einem internationalen Elektrizitätskongress vorgestellt. Im Jahre 1887 wird der erst 18 Jahre alte Stotz von seiner Firma beauftragt, in Venedig eine sogenannte "Blockanlage" zu bauen, die mit einem kleinen Kraftwerk einen ganzen Häuserblock mit Strom versorgen sollte.

1889 stirbt sein Vater Emil Stotz, und Hugo zieht  mit seiner Mutter Auguste 1891 nach Mannheim. Dort gründet er im Quadrat P 6, 20 zusammen mit einem Teilhaber die Firma "Moyé und Stotz, Gürtlerei und Posamente, Vertretung der Maschinenfabrik Esslingen". Das junge Unternehmen rüstet Gas- und Petroleumlampen für den elektrischen Betrieb um und baut Blockstationen zur Stromversorgung einzelner Häuser sowie von Gewerbebetrieben, denn noch gibt es in Mannheim kein Elektrizitätswerk.  Zum Antrieb der Dynamos verwendet Stotz Dampflokomobile von Heinrich Lanz.

Nach dem Ausscheiden seines Teilhabers Moyé im Jahre 1896 benennt Hugo Stotz seine Firma in "Stotz & Cie. Elektrizitätsgesellschaft m.b.H." um. Er ist Konstrukteur, Hersteller und Installateur von Elektrogeräten in einem.  Dank der  fortschreitenden Elektrifizierung von Haushalten und Gewerbe läuft das Geschäft so erfolgreich, dass Stotz 1901 mit seinem Betrieb in ein eigenes Wohn- und Geschäftshaus in O 4, 8-9 umzieht und dort nicht nur einen Laden, sondern auch eine Schmiede, eine mechanische Werkstatt und ein Labor einrichtet.

Auf seine neuen Geschäftsräume macht Stotz mit einer Leuchtreklame aufmerksam, indem er  auf dem Dach des Gebäudes die Buchstaben S T O T Z in installiert.  Die von ihm konstruierte Schaltung lässt die Buchstaben nacheinander aufleuchten,  bis der ganze Name erstrahlt und dann wieder verlöscht. Diese Laufschrift ist die erste Leuchtreklame in Deutschland.

1903 heiratet er Franziska Held, die Schwester des Mannheimer Rennfahrers Fritz Held, ein Freund  von Carl Benz.

Stotz entwickelt eigene technischer Geräte und fertigt Installationsmaterial, wie zum Beispiel Schalter und Steckdosen. Sein Unternehmen wächst rapide, vor allem durch die  Installation von Beleuchtungsanlagen.  Die Firma eröffnet immer mehr Filialen und beschäftigt schließlich 300 Monteure. Stotz elektrifiziert ganze Dörfer. Das Mannheimer Geschäftshaus wird bald zu klein. Hinzu kommt, dass sich Stotz wieder auf die Entwicklung von Elektrogeräten konzentrieren will. Daher verkauft er 1912 die Installationsabteilung an BBC. Für die Produktion seiner Elektrogeräte baut Stotz in Mannheim Neckarau ein großes Werk Die Firma heißt nun "Stotz & Cie., Fabrik elektrischer Spezialartikel".

Kaum hat das neue Werk den Betrieb aufgenommen, beginnt der erste Weltkrieg und bringt das Unternehmen in immer größere wirtschaftliche Schwierigkeiten. Nach Kriegsende sieht Stotz keine andere Möglichkeit, als sein Unternehmen an BBC zu verkaufen. Er bleibt aber bis 1929 Geschäftsführer, und auch der Firmenname bleibt erhalten, jedoch als Tochtergesellschaft von BBC.

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ziehen immer mehr elektrische Geräte wie Bügeleisen, Staubsauger, Kühlschränke, Brotröster, Kaffeemaschinen, Schnellkocher, Tauchsieder und Wärmeplatten in die Haushalte ein.

Dadurch kommt es in den Wohnungen immer häufiger zu Überlastungen und Kurzschlüssen, was  oft sogar zu Bränden führt. Die zum Schutz der Leitungen eingebauten Schmelzsicherungen erweisen sich als wenig praktikabel und sogar unfallträchtig. Bei zu hoher Stromstärke schmilzt in  den Sicherungen ein dünner Draht, wodurch der Strom unterbrochen wird. Um  den Strom dann wieder fließen zu lassen, muss die Sicherung ausgewechselt werden. Ist aber keine zur Hand, ist die Versuchung groß, die Sicherung mit einem Draht zu flicken, was aber natürlich im wahren Sinn des Wortes brandgefährlich ist.

Für Hugo Stotz ist das ein  unerträglicher Zustand. Gemeinsam mit seinem Chefkonstrukteur Heinrich Schachtner beginnt er an einer Dauersicherung zu tüfteln, die den Stromkreis schützt, ohne dabei zerstört zu werden. Mit Heinrich Schachtner, der 1904 als Lehrling in die Firma eintrat, ist Stotz freundschaftlich verbunden. Gemeinsam  sitzen beide oft stundenlang über Plänen und Zeichnungen.

Hugo Stotz hält viel von Teamarbeit, was sehr zum Erfolg seiner Erfindungen beiträgt. Seine Mitarbeiter schätzen an ihm, dass sie sich mit ihm wie mit einem Kollegen unterhalten können und er sie mit Respekt behandelt. So klopft Stotz an, bevor er die Entwicklungsabteilung betritt.

Stotz und Schachtner ersetzen den dünnen Draht der Schmelzsicherung durch eine Kombination aus Magnetspule und Thermo-Bimetall. Mit dieser genialen Idee werden zwei Auslösesysteme zu einem verbunden. Der Strom fließt durch die Spule und erzeugt ein Magnetfeld. Bei zu hoher Stromstärke, wie etwa bei einem Kurzschluss, löst das hohe Magnetfeld einen Schalter aus, der den Stromkreislauf sofort automatisch abschaltet. Bei einer länger anhaltenden Überlastung durch zu viele angeschlossene Geräte biegt infolge der Erwärmung der Bimetallstreifen durch und unterbricht den Strom.  Ist der Fehler behoben, genügt ein Knopfdruck, und der Strom fließt wieder.  Der Einbau  einer neuen Sicherung ist nicht mehr nötig. Damit schützt der Sicherungsautomat gleichzeitig vor Kurzschluss und Überlastung.

Am 9. November 1924 erhält der elektromagnetische Überstromschalter das Reichspatent.

Hugo Stotz, der bei seinen Geräten immer großen Wert auf deren praktische Anwendbarkeit legt, versieht den Sicherungsautomaten mit einer Schraubfassung, die exakt in die bereits für Schmelzsicherungen vorgesehene Fassung passt. Dies verhilft dem Sicherungsautomaten zum schnellen Durchbruch. Es ist bezeichnend, dass selbst heute noch in vielen Haushalten die in die alten Fassungen eingeschraubten „Stotz-Automaten“ ihren Dienst verrichten.

1929 geht Hugo Stotz in den Ruhestand, bringt aber bei technischen Fragen oder Neuentwicklungen weiterhin sein Wissen und Erfahrung in das Unternehmen ein. Aus der Fusion mit der Frankfurter Firma "Kontakt AG" geht 1930 die Firma "Stotz-Kontakt GmbH" hervor.

Am 3. September 1935 stirbt Hugo Stotz. Er findet auf dem Mannheimer Hauptfriedhof seine letzte Ruhe.

Der Stotz-Sicherungsautomat ist bis heute das Synonym für elektrische Sicherungen, und er  fehlt in keinem Haushalt. Die Firma Stotz-Kontakt ist immer noch Weltmarktführer für Sicherungsautomaten. Seit 1924 gingen mehr als eine Milliarde „Stotz-Automaten“  von der Kurpfalz aus in die ganze Welt und schützen die Menschen vor Unfällen und Bränden.

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