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Kurpfälzer Meile der Innovationen

1885 Automobil

CARL BENZ (1844-1929)

1885 Automobil

Carl Benz (25.11.1844 - 04.04.1929)

Carl Benz wird am 25. November 1844 in dem Städtchen Mühlburg, heute ein Stadtteil von Karlsruhe, geboren. Sein Vater, ein Lokomotivführer, stirbt als Carl noch keine zwei Jahre alt ist. Dennoch ermöglicht seine Mutter, dem begabten Jungen eine gute Ausbildung. Nach dem Besuch des Karlsruher Lyzeums studiert Carl am Polytechnikum Karlsruhe Maschinenbau.

Bei einem Ausflug nach Maulbronn lernt der 22 jährige Ingenieur Bertha Ringer kennen und verlobt sich 1870 mit ihr. Bald darauf lässt er sich in Mannheim nieder und gründet mit dem Mechaniker August Ritter eine mechanische Werkstätte in T 6. Aber der Erfolg bleibt aus und so trennen sich die Geschäftspartner bald wieder. Nur dank der Mitgift seiner Braut kann Carl Benz die Werkstatt retten. Er benennt sie um in „Carl Benz Eisengießerei und mechanische Werkstätten". Im Juli 1872 heiraten Carl und Bertha Benz und lassen sich ein Jahr später in einem kleinen Haus auf dem Werkstattgelände nieder.

 

In den Folgejahren widmet sich Carl Benz der Konstruktion von Motoren. In der Silvesternacht 1879 gelingt es ihm, seinen stationären Benzin-Motor erstmals zum Laufen zu bringen. Carl Benz hält in seinen Erinnerungen später fest: „Was keine Zauberflöte der Welt zu Wege gebracht hat, das vermag jetzt der Zweitakter. Je länger er singt, desto mehr zaubert er die drückend harten Sorgen vom Herzen. Auf einmal fingen auch die Glocken zu läuten an. Silvesterglocken. Uns war‘s als läuteten sie nicht nur ein neues Jahr, sondern eine neue Zeit ein."

 

 

 

Um einen Kredit für die kostspielige Weiterentwicklung seiner Motoren zu erhalten, wandelt Carl Benz 1882 sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um, die  „Gasmotorenfabrik in Mannheim AG". Da den Aufsichtsräten seiner neuen Gesellschaft jedoch Gewinne wichtig sind, haben sie für die Vision vom pferdelosen Wagen nur wenig Verständnis. Daher verlässt Carl Benz das Unternehmen und gründet 1883 mit neuen Partnern die „Benz & Cie Rheinische Gasmotorenfabrik". Endlich kann er sich neben der Produktion von Gasmotoren auch der Konstruktion seines Motorwagens widmen. 1884 läuft sein Einzylinder-Viertaktmotor mit 0,75 PS. Nun kann Carl Benz die für seinen Motorwagen weiteren notwendigen Teile wie Vergaser, Zündung, Kupplung, Kühler, Bremsen und eine Art Gangschaltung entwickeln und in ein dreirädriges Fahrgestell mit Speichenrädern und Vollgummireifen einbauen.

Als sich Carl Benz im Sommer 1885 nach Probefahrten auf dem Fabrikhof mit dem Motorwagen erstmals auf die Straße traut, wird er verspottet, und nicht Wenigen ist das sich laut knatternd und ganz ohne Pferde fortbewegende Gefährt sogar unheimlich. Zwar erhält Carl Benz am 2. November 1886 auf seinen Motorwagen das Patent, aber wirtschaftlich gesehen ist der Wagen kein Erfolg. Allein der Generalanzeiger der Stadt Mannheim glaubt im September 1886 daran, dass dieses Fuhrwerk eine Zukunft haben wird. Daran und vor allem an ihren Mann glaubt auch Bertha und ermutigt ihn weiter an der Verbesserung des Motorwagens zu arbeiten.

Die Produktion der stationären Gasmotoren läuft so erfolgreich, dass das Unternehmen 1887 in ein neues Werk in der Waldhofstraße 24 umziehen kann.

 

 

 

Der Patent-Motorwagen aber wird erst populär, als die couragierte Bertha Anfang August 1888 ohne Wissen ihres Mannes mit dem verbesserten Modell 3 eine abenteuerliche Fernfahrt unternimmt. Zusammen mit den beiden 13 und 15 Jahre alten Söhnen fährt sie von der Waldhofstraße aus auf staubigen und holprigen Wegen zu ihrer Mutter in das 106 km von Mannheim entfernte Pforzheim.  Damit beweist sie, dass der Patent-Motorwagen keine Spinnerei, sondern vielmehr ein alltagstaugliches und überaus nützliches Fahrzeug ist. Auf dieser historischen Strecke findet zur Erinnerung an diese erste Fernfahrt der Automobilgeschichte alle zwei Jahre die "Bertha-Benz-Fahrt" statt.

1893 findet Carl Benz auch für die Lenkung eine Lösung als er in einer Fachzeitung einen Bericht über eine bereits 1816 patentierte Lenkung für Pferdewagen liest. Carl Benz erkennt, dass dieses Funktionsprinzip beim Auto angewendet, das Lenkungsproblem löst und konstruiert für seinen Patentwagen eine Achsschenkel-Lenkung. Diese baut er in seinen ersten vierrädrigen Wagen, dem Modell „Viktoria" ein. Es wird sein Lieblingsauto, das später in Ladenburg bei seinem Wohnhaus einen Ehrenplatz erhält. 1894 folgt das „Benz Velo", ein kleiner preisgünstiger Wagen, der in einer Serie von etwa 1200 Exemplaren produziert wird und 1895 der erste Motoromnibus für den Linienverkehr.

Nach Meinungsverschiedenheiten mit den Gesellschaftern scheidet Carl Benz 1903 aus dem Unternehmen aus, kehrt aber 1904 als Aufsichtsrat zurück. Im gleichen Jahr beginnt er mit dem Bau einer neuen Fabrik in Ladenburg. Die Familie zieht 1905 nach Ladenburg. Zusammen mit seinen Söhnen Eugen und Richard gründet Carl Benz 1906 in Ladenburg das Unternehmen „Carl Benz Söhne“, dessen Leitung er sechs Jahre später seinen Söhnen überlässt. Heute befindet sich in dem historischen Fabrikgebäude das „Automuseum Dr. Carl Benz“.

Im Jahre 1914 verleiht die Technische Hochschule Karlsruhe Carl Benz die Ehrendoktorwürde. 1926 fusionieren die „Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik Mannheim“ und die von Gottlieb Daimler gegründeten „Daimler- Motoren-Gesellschaft“ zur „Daimler-Benz-AG“.

 

 

Am 4. April 1929 stirbt Carl Benz hoch geachtet im Alter von 84 Jahren in Ladenburg und wird dort bestattet.

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