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Kurpfälzer Meile der Innovationen

1844 Zeigertelegraph

William Fardely (1810 - 1869)

1844 Zeigertelegraph

William Fardely (16.02.1810 - 26.06.1869)

William Fardely gehört zu den Pionieren der Telegraphentechnik. Bei der Entwicklung des nach ihm benannten Zeigertelegraphen nutzte er die Erde als Rückleiter für den notwendigen Betriebsstrom. Er konnte damit die Baukosten der Telegraphenanlagen erheblich senken. Sein Zeigertelegraph wurde erstmals 1844 auf der Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und Kastel in Betrieb genommen. Es war die erste Telegraphenlinie auf dem europäischen Festland.

William Fardely wird am 16. Februar 1810 in Ripon, einer Kleinstadt der englischen Grafschaft Yorkshire, als Sohn eines wohlhabenden Engländers und einer deutschen Mutter geboren.

Einige Jahre nach Williams Geburt zieht die Familie nach Koblenz, der Heimatstadt der Mutter, siedelt aber im Oktober 1820 nach Mannheim über.

Dort wirkt als Hofgerichtsrat der badische Politiker Johann Adam von Itzstein, ein Schwager von Williams Mutter.

Über Fardelys Ausbildung wissen wir wenig. Seine ausgezeichneten naturwissenschaftlichen Kenntnisse verdankt er aber vermutlich dem Physiker Wilhelm Eisenlohr, dem Ehemann seiner Cousine, Gertrud von Itzstein. Wilhelm Eisenlohr unterrichtete bereits als 19jähriger Physik und Mathematik am Großherzoglichen Lyceum in Mannheim und veröffentlichte 1836 ein viel gelesenes Lehrbuch der Physik. 1840 übernahm Eisenlohr die Physikprofessur an der Polytechnischen Schule in Karlsruhe.

Gemeinsam mit dem jungen Mediziner William Cooke besucht Fardely im Jahre 1836 eine Vorlesung an der Universität Heidelberg, wo ein von Paul Ludwig Schilling von Cannstatt gebauter Telegraphenapparat vorgeführt wird.
Cooke ist davon so beeindruckt, dass er noch in Deutschland beginnt, selbst einen Telegraphen zu bauen.

Nach England zurückgekehrt, entwickelt er gemeinsam mit dem Instrumentenbauer und späteren Physikprofessor am Londoner King's College, Charles Wheatstone, zwei weitere Telegraphen. Bei einem von ihnen werden die Buchstaben der Telegramme von einem elektromagnetisch betätigten Zeiger angezeigt.

Fardely reist im Jahr 1840 zu Cooke nach England und beschäftigt sich während seines zweijährigen Aufenthaltes intensiv mit dem Bau und der Verwendung von Telegraphen. 1842 kehrt Fardely nach Mannheim zurück. Er bezeichnet sich nun als Telegraphen-Ingenieur und veröffentlicht eine Schrift über „galvanische Electricität“.

Im Mai 1843 hält er vor den Mitgliedern des neu gegründeten Gewerbevereins, dessen Vorstand er angehört, einen Vortrag über elektromagnetische Telegraphen und stellt den von ihm entwickelten Zeigertelegraphen vor.

In einem Gehäuse sind nebeneinander ein Sender und ein Empfänger eingebaut. Durch Übertragung der im Sender erzeugten elektrischen Impulse wird im Empfänger der entfernten Gegenstelle ein Elektromagnet angesprochen, der einen sich über das mit Buchstaben und Zahlen beschriftete Zifferblatt hinweg drehenden Zeiger an der gewünschten Stelle anhält. Wie weit der Zeiger bewegt wird, hängt von der Anzahl der gesendeten Stromimpulse ab.

Als im Jahre 1825 in England und zehn Jahre später auch in Deutschland die ersten Eisenbahnen fahren, gibt es noch keine Signale. Erst 1837 geht in England die erste Telegraphenlinie in Betrieb. Auf der Taunusbahnlinie zwischen Frankfurt und Wiesbaden verkehren seit 1840 die ersten Züge. Zu ihrer Sicherung gibt es lediglich ein Signalsystem mit Glocken. Fardely kann die Verantwortlichen der Taunusbahn davon überzeugen, auf der 8,8 km langen Strecke zwischen Kastel und Wiesbaden eine Telegraphenlinie mit seinen Geräten einzurichten. Es ist die erste elektrische Telegraphenlinie für den Eisenbahnbetrieb auf dem europäischen Festland.

Dabei nutzt Fardely als erster in Europa die Erde als Rückleiter für den Betriebsstrom und spart damit eine Leitung ein, was die Material- und Herstellungskosten erheblich senkt. Als Leiter verwendet Fardely einen Kupferdraht von 1,5 mm Durchmesser und befestigt ihn an Holzmasten. Zur Verbesserung des Kontaktes mit dem Erdboden werden an den Endpunkten der Linie Kupferplatten in den Boden eingegraben. Die oberirdische Verlegung des Leitungsdrahtes hat neben den geringeren Kosten einen weiteren Vorteil. An jedem Punkt der Strecke lässt sich ein transportabler legraph anschließen, so dass auch auf freier Strecke Nachrichten gesendet und empfangen werden können. Die Apparate lässt Fardely in großer Stückzahl und damit kostengünstig von einer Schwarzwälder Uhrenmanufaktur herstellen.

Da die Zeigertelegraphen und ihre Installation preiswert sind und sich nach nur kurzer Einweisung leicht bedienen lassen, werden sie bald auf weiteren Bahnlinien eingeführt: im Jahre 1846/47 bei der sächsisch-schlesischen und der sächsisch-bayerischen Eisenbahn. 1851 wird die Telegrafenlinie entlang der pfälzischen Ludwigsbahn zwischen Neunkirchen und Ludwigshafen unter Fardelys Leitung mit seinen Zeigertelegraphen ausgestattet. Sie bleiben über seinen Tod hinaus in Betrieb.

Weitere Erfolge sind Fardely jedoch nicht beschieden. Nach 1851 werden seine Zeigertelegraphen nicht mehr installiert. Bereits 1847 hat die neu gegründete Firma Siemens & Halske begonnen, in Lizenz sogenannte „Morse-Reliefschreiber“ nach dem bereits 1837 von Samuel Morse in den Vereinigten Staaten vorgestellten Verfahren zu fertigen. Sie zeichnen sich nicht nur durch wesentlich höhere Übertragungsgeschwindigkeiten aus, sondern bieten auch den Vorteil, dass der übertragene Text auf einem Papierstreifen erhalten bleibt. Allerdings muss das Personal speziell geschult sein. Bald gelten die „Morse-Reliefschreiber“ als die technisch besseren Geräte und verdrängen die Zeigertelegraphen.

Fardely versucht zunächst den Zeigertelegraphen zum Drucktelegraphen weiter zu entwickeln, hat damit aber keinen Erfolg. Auch seine Arbeiten zur Entwicklung der Relaisübertragung und zur Verbesserung galvanischer Elemente bleiben letztendlich erfolglos. Nebenbei betätigt sich Fardely im Jahre 1856 als Pyrotechniker und tut sich auch als Musiker und Maler hervor. In seinen letzten Lebensjahren lebt er zurückgezogen im Saam`schen Haus in der heutigen Schwetzinger Straße und beschäftigt sich mit wissenschaftlichen Studien.

William Fardely stirbt am 26. Juni 1869 im Allgemeinen Krankenhaus in Mannheim. Heute finden sich kaum noch Spuren des einst berühmten Mannes. Seine wenigen noch erhaltenen Zeigertelegraphen und die meisten seiner Schriften fallen im Schlossmuseum dem zweiten Weltkrieg zum Opfer.

Siemens-Zeigertelegraf

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